english site Bild: Die Schmerzen des Essad Bey

Ein Film von Ralf Marschalleck

Die Geschichte eines Unzugehörigen. Die Geschichte eines getriebenen Grenzgängers zwischen aufbrechenden Welten. Die Geschichte eines schillernden Kosmopoliten, der das Abenteuer geistiger Freiheit lebte, begabt mit der Fähigkeit zu schreiben, geschlagen mit dem Mut zur Provokation - wirklich zu Hause nur in seinen Texten. Eine Geschichte von Leben, Schreiben und Sterben in den Zeiten von Krieg und Revolution.
Jetzt auf DVD in einer limitierten Erst-Edition
mit einer Orginal-Signatur des Regisseurs

„Die Schmerzen des ESSAD BEY“, Eine UM WELT FILM Produktion © 2014, Länge 110 Min, Preis 25,50 € incl. Mwst. und Versand. Nur hier erhältlich:

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Faszination eines Lebens

Herausforderung eines Werkes

Motive eines Filmemachers

Würde man eine Figur wie ESSAD BEY für den Film erfinden, sähe man sich schnell der Kritik ausgesetzt: Muss man so dick auftragen? Kann die Geschichte nicht etwas glaubwürdiger sein? Denn das unglaubliche Leben dieses Mannes mutet an wie ein Gleichnis auf die gewaltigen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts. Mit diesem Schicksal hat die Wirklichkeit die Fiktion wieder einmal in den Schatten gestellt. Ein Stoff, der faszinierender nicht hätte erfunden werden können. Ein Stoff für einen außergewöhnlichen Dokumentarfilm - abenteuerlich, originell, brisant, tragisch.

Bereits die Geburt wie ein Menetekel: Die Eltern geraten auf ihrer Hochzeitsreise im Oktober 1905 quer durchs russische Zarenreich von Baku über Tbilisi nach Kiew in den großen Eisenbahnerstreik am Höhepunkt der Unruhen der ersten Russischen Revolution. Beinahe muss die hochschwangere Frau ihr Kind in einem Eisenbahnwaggon in der russischen Steppe zur Welt bringen. Nach der gerade noch geglückten Geburt in Kiew zurück in Baku, wächst der Junge namens LEW NUSSIMBAUM in seiner jüdischen Familie auf. Der Vater ist ein wohlhabender Ölhändler, die Mutter eine Sympathisantin der Sozialrevolutionäre. Das Kind steht unter der Obhut einer baltendeutschen Kinderfrau und hört auf drei Sprachen - Russisch, Deutsch und Azeri-Türkisch. In der aserbaidschanischen Ölmetropole am Kaspischen Meer tobt sich mit blut- und öltriefender Brutalität ein orientalischer Räuberkapitalismus aus - eine Stadt voller Gegensätze und Massaker; ein explosives Gemisch aus feudal-islamischen Stammesfehden, Arbeiteraufständen, bolschewistisch-revolutionärem Terror und jüdisch-christlicher Bigotterie. Der Riss durch die Zeit geht mitten durch die Familie Nussimbaum. Vater Abram handelt mit dem schwarzen Gold und Mutter Berta unterstützt heimlich den jungen Stalin, der in Baku eine Geheimdruckerei betreibt. Als die Mutter am tiefen Zwiespalt ihrer Existenz zerbricht und Selbstmord begeht, ist Lew erst sechs Jahre alt. Nach dieser Tragödie beginnt er zu kränkeln, verlässt kaum noch das Haus, liest sich durch die häusliche Bibliothek und erträumt sich eine Identität als orientalischer Ölprinz inmitten des Schmelztiegels kaukasisch-russischer Völker und Kulturen. Als der Erste Weltkrieg auch Baku erfasst und in den Russischen Bürgerkrieg mündet, flieht der Vater mit dem Jungen vor den anrückenden Bolschewiken ins europäische Exil. 1920 emigrieren beide durch den Kaukasus nach Georgien, von dort übers Schwarze Meer nach Istanbul, weiter nach Rom und Paris bis ins Deutschland der Weimarer Republik. Lew ist jetzt 15 Jahre alt. Aufgrund der guten deutschen Sprachkenntnisse seines Sohnes entscheidet sich der Vater, nicht in Paris zu bleiben, wo sich die ebenfalls exilierten Verwandten im Hotel einrichten, sondern weiter nach Berlin zu gehen, neben Paris damals die zweite „Hauptstadt des russischen Exils“.

In Berlin fristen Vater und Sohn zunächst eine erbärmliche Existenz als mittel- und staatenlose Emigranten. Nach Abschluss des Russischen Gymnasiums verwandelt sich Lew seiner erträumten Wahl-Identität an und tritt zum Islam über – zugleich ein trotziges Aufbegehren gegen das Stigma des verarmten Ostjuden und den Standesdünkel weißrussischer Offiziers- und Kaufmannssöhne. Er studiert an der Humboldt-Universität einige Semester arabische und türkische Literatur und knüpft erste Kontakte zur weltoffenen Literaturszene im Berlin der Zwanziger Jahre. Mit journalistischen Arbeiten beginnt er, öffentlich auf Deutsch zu schreiben und sein begnadetes Schreibtalent auszuformen. 1929 erscheint das erste Buch „Öl und Blut im Orient“ - mit einem Paukenschlag betritt der erst 24jährige Lew Nussimbaum unter dem Pseudonym ESSAD BEY die literarische Bühne. Es folgt ein kometenhafter Aufstieg zum Star-Autor für Sachbücher über den „Osten“. In nur fünf Jahren erscheinen acht Bücher, die in alle Weltsprachen übersetzt werden – eine Schaffensexplosion! Er widmet sich großen Themen und großen Namen, Sprache, Stil und Sicht eine Sensation, der Blick hellsichtig, der Kenntnisreichtum profund, die Sprache fesselnd, der Humor abgründig - facts und fiction verwoben zu einem äußerst modernen Stil voller Fabulierfreude - die Lektüre ist höchster geistiger Genuss. Die unerhörte Schärfe seiner provokanten Betrachtungen ruft den erbitterten Protest der Parteigänger jeglicher Couleur gegen diesen frechen Freigeist hervor, der sich bereits als junger Mann unerschrocken zwischen alle ideologischen Stühle setzt! Den frühen Ruhm begleiten Verleumdungen und Skandale. Polizei und Außenministerium laden ihn vor. Geschützt vom Schutzverband deutscher Schriftsteller, verspottet er seine Widersacher, schreibt unbeirrt weiter, inszeniert sich als geheimnisvoller Orientale und heiratet die jüdische Kaufmannstochter Erika Loewendahl.

Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 emigriert er nach Wien, bleibt produktiv, veröffentlicht weitere acht Bücher in wieder nur fünf Jahren und wird zur Attraktion unter Wiener Kaffeehaus-Literaten. Der literarische Erfolg gelingt auch in den USA. Nach mehreren Lesereisen in die Neue Welt verlässt in 1935 seine Frau und bleibt im US-amerikanischen Exil, das er ablehnt, obwohl er in Deutschland bereits als „jüdischer Geschichtsschwindler“ auf dem Index steht. Aus der tiefen Depression rettet ihn die Freundschaft mit den orientophilen Baron und Baronin von Ehrenfels, die ihm auf ihrem Landsitz Schloss Lichtenau in Niederösterreich ein geschütztes Refugium bieten. Hier wird Elfriede von Ehrenfels seine Muse, die ihn zum Romancier inspiriert. Unter seinem zweiten Pseudonym KURBAN SAID schreibt Essad Bey die politisch hochbrisanten Liebesromane „Ali und Nino“ und „Das Mädchen vom Goldenen Horn“.

Nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland und Arisierung seines letzten jüdischen Verlages emigriert er 1938 nach Italien und findet in Positano an der Amalfiküste Zuflucht. Dort schreibt er aus Interesse für die Anfänge der italienischen Faschismus-Bewegung ein Buch über Mussolini, wird aber als Jude denunziert und darf nicht mehr veröffentlichen, obwohl er sich als geborener Muslim ausgibt und im Dorfpolizisten seinen Schutzengel hat, der ihn vor den Nachstellungen der Gestapo deckt. Er kämpft gegen eine fortschreitende Blutkrankheit an, die das Körpergewebe zersetzt. Gepeinigt von unsäglichen Schmerzen, wird er Morphium abhängig. Unter Todesahnungen und voller Selbstzweifel schreibt er seinen letzten autobiographischen Text „Der Mann der nichts von der Liebe verstand“. Der in Wien zurückgebliebene Vater wird deportiert und stirbt im Vernichtungslager Belzec. Schwerkrank und abgeschnitten von allen Kontakten und Einkünften, bietet Essad Bey in schierer Existenznot der italienischen Rundfunkpropaganda seine Dienste gegen Stalin und das verhasste Sowjetregime an. Bevor es zur Kollaboration kommt, stirbt er am 27. August 1942, noch nicht 37 Jahre alt. Sein Tod erscheint wie die Erlösung aus einem atemberaubenden Leben. Es gibt keine Nachkommen, der Nachlass verschwindet, begraben wird der seltsame Fremde zunächst außerhalb des Friedhofes von Positano, bis ihm ein Verehrer inmitten katholischer Kreuze eine muslimische Grabstele setzen lässt – womöglich das einzige muslimische Grab auf Europas christlichen Gottesäckern.

Nach dem Krieg in der BRD vergessen, in der DDR und der Sowjetunion auf dem Index antisowjetischer Literatur, wird das Werk zunächst im angloamerikanischen Sprachraum wiederentdeckt. Der Roman „Ali und Nino“ macht in englischer Übersetzung in den 1970er Jahren Furore und wird als die Entdeckung einer kaukasischen Romeo und Julia–Story gefeiert. Das Buch erscheint daraufhin wieder in deutscher Sprache, wird in drei Dutzend weitere Sprachen übersetzt und avanciert zum Kleinod der Weltliteratur. Es entbrennt ein internationaler Streit um die Autorenschaft, der zum Literaturkrimi ausartet. In Aserbaidschan im Rang eines National-Epos, wird das Buch im nationalen Interesse einem nichtjüdischen aserbaidschanischen Dichter zugeschrieben; in Wien erheben die Nachkommen der Familie von Ehrenfels Ansprüche auf Urheberschaft und Tantiemen und in Jerusalem feiert man die Wiederentdeckung eines großen jüdischen Schriftstellers. In Berlin und New York entstehen zwei Monographien zur Person des Autors, die eine bleibt unvollendet, die andere erscheint 2005 unter dem Titel „Der Orientalist“. Weitere Bücher von Essad Bey über Russland, den Islam und den Kaukasus erleben aufgrund ihrer ungebrochenen Faszination immer wieder Neuauflagen. „Ali und Nino“ erscheint bis heute mehrmals pro Jahr neu auf der Welt – von Japan bis Brasilien - und wird gegenwärtig an den kaukasischen Originalschauplätzen verfilmt.

Man scheut sich, ein 37jähriges Leben „Jahrhundert-Biographie“ zu nennen, doch der Begriff drängt sich auf. Wer geglaubt hat, über diese Zeit schon ausreichend viele verwickelte Schicksale zu kennen, wird erstaunt sein. Der Film über diesen Mann, seine Zeit und seine Wirkung fügt dem erzählerischen Kanon von Vertreibung, Verirrung und Selbstbehauptung im Wahnwitz des Weltenlaufs eine neue Geschichte hinzu, die den schwierigen Dialog zwischen Abendland und Orient bereichern wird.
Die Bücher des Essad Bey

Die Schmerzen des ESSAD BEY

mit

GRIGORY KOFMAN
NOURIDA ATESHI
Prof. ROMOLO ERCOLINO
Prof. CERKEZ GURBANLY
NAOUM HERMONT
MARIA PAONE
RAIMONDA GAETANI
FIORAVANTE RISPOLI
MASSIMO FIORENTINO
DON GIULIO
JEAN MARIA TARLAMO
MARIO di NAPOLI

Buch und Regie
Idee und Konzept
Kamera
Musik

Bildbearbeitung
Tonbearbeitung
Fachberatung
Erzähler
Autorin, Berlin und Baku
Historiker und Zeitzeuge, Positano
Germanist und Übersetzer, Baku
Zeitzeuge, Paris
Zeitzeugin, Positano
Zeitzeugin, Positano und Rom
Zeitzeuge, Positano
Zeitzeuge, Positano
Priester, Positano
Schauspieler, Positano
Musiker, Positano

RALF MARSCHALLECK
THOMAS KNAUF
LARS BARTHEL
AZIZA MUSTAFA ZADEH
CONNY BAUER
HEINZ HOMMEL
MARC ELSNER, Stefanie Steinbichl
Prof. GERHARD HÖPP †

gefördert von

Bundesbeauftragter für Kultur und Medien • Stiftung Kulturfonds Berlin
Medienboard Berlin-Brandenburg • Campania Film Commission Neapel
Geneveci Institut für aserbaidschanische Kultur Berlin
Besonderen Dank an Rachele Hein, München

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